Joseph Beuys

Joseph Beuys war eine der bedeutendsten Figuren in der Entwicklung der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Als performativer Künstler und Lehrer beeinflußte er eine Generation von Künstlern, die noch heute im 21. Jahrhundert, dank seiner Ideen, künstlerische Grenzen überschreiten. Beuys´ umfangreiches und vielfältiges Werk, das Skulptur, Zeichnung und Performance umfaßt, ist tief verwurzelt im Humanismus, der Sozialphilosophie und der Anthroposophie. Er gilt weithin als einer der einflussreichsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der erklärte, dass "jeder Mensch ein Künstler ist."

Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld geboren und zog später nach Kleve an der deutsch-niederländischen Grenze. 1940 begann Beuys mit einem Medizinstudium, das jedoch unterbrochen wird, als er in die Luftwaffe eingezogen wird. Bei einer Mission wird er schwer verletzt, als sein Flugzeug auf der Krim abstürzt. Er wird von einer nomadischen Gruppe von Tataren gerettet, die sich um ihn kümmern und ihn in Fett und Filz einwickeln, bevor er von einem deutschen Suchtrupp gefunden wird. Diese organischen Substanzen werden später – aufgeladen mit geradezu mystischen Heilkräften – zu Materialien, auf die er immer wieder zurückgreift.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg entschied sich Beuys für einen neuen Weg weg von Haus und Medizin. 1947 nahm er am Programm "Monumentale Skulptur" an der Düsseldorfer Kunstakademie teil, wo er bei Joseph Enseling und Ewald Mataré studierte; 1951 wurde er in die Meisterklasse von Mataré aufgenommen, wo er begann, seine eigene Technik und Ausdrucksformen zu entwickeln. Die 50er Jahre sind eine schwierige Zeit für Beuys; er kämpft darum, sich künstlerisch zu etablieren, jedoch führt er in diesen Jahren der Selbstzweifel wissenschaftliche Studien durch und zeichnet intensiv. 1961 wird Beuys zum Professor für Monumentale Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie ernannt. Sein Lehrstil war einzigartig, er betrachtete den Austausch von Ideen und die Suche nach Wissen als grundlegende Aufgabe des Künstlers. Beuys wurde 1972 entlassen, weil er sich weigerte, die Zahl der Studierenden in seinen Klassen zu begrenzen und er Studenten aufnahm, die die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hatten.

Performances oder "Aktionen", wie Beuys sie nannte, standen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Eine seiner frühesten Performances, in der Galerie Schmela im Jahr 1965, "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt," hat die Grenzen dessen, was als Kunst definiert wird, radikal verändert. Andere berühmte Aktionen wie "I like America and America likes me", die 1974 in New York stattfand, festigten seinen internationalen Ruf. Die Beendigung seiner Lehrtätigkeit in Deutschland erlaubte Beuys zu reisen. Mehrfach besuchte er das Edinburgh International Festival und reiste auch nach Dublin, wo er auf den Spuren von James Joyce wandelte. Seine Zeit auf den Britischen Inseln führte zu Ausstellungen im Modern of Modern Art Oxford, dem ICA und der Royal Academy of Arts. 1976 vertrat Beuys die Bundesrepublik auf der Biennale in Venedig. Ab 1964 wurde er regelmäßig zur Documenta eingeladen, wo er 1982 eine große Aktion initiierte, bei der 7000 Eichen gepflanzt wurden.

1978 wurde Beuys Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Seine erste Retrospektive fand 1979 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York statt, gefolgt von weiteren umfassenden Einzelausstellungen, in der Nationalgalerie von Australien, 1982 und im Seibu Museum, 1984. Im Januar 1986 erhält Beuys den Wilhelm-Lehmbruck-Preis in Duisburg. Er verstirbt kurz danach in seinem Düsseldorfer Atelier an einer schweren Lungenerkrankung. Seit seinem Tod wurde Beuys' Werk in Großbritannien mit Einzelausstellungen in der Tate Liverpool, 1993, der Royal Academy of Arts, 1999 und der Tate Modern, 2005 gewürdigt.

Joseph Beuys, Blenheim Park, 1974