VOM ZAUBER DER FRÜHEN LICHTBILDER – DAS 19. JAHRHUNDERT ERFINDET DIE PHOTOGRAPHIE
Galerie Bastian
Taylorstraße 1
14195 Berlin
Mi – Sa | 11 – 17 Uhr
Wenn Sie sich für den Kauf eines Kunstwerkes interessieren, kontaktieren Sie uns gerne unter der Telefonnummer +49 (0) 30 809 092 20 oder via E-Mail unter collectors@bastian-gallery.com.
Vor 200 Jahren begann die Geschichte der Photographie, die unsere Wahrnehmung, ja unser Leben, mehr beeinflusste als das geschriebene Wort. Die Galerie Bastian widmet sich in einer Ausstellung den Anfängen dieses Mediums der visuellen Kultur mit einer Auswahl herausragender Bilder.
1826 entstand durch den Franzosen Joseph Nicéphore Niépce der Versuch einer Belichtung. Den Blick aus seinem Arbeitszimmer in Saint-Loup-de-Varennes, Bourgogne, mit einer Camera obscura auf eine asphaltbeschichtete Zinnplatte zu bannen, gilt heute als älteste erhaltene Kameraaufnahme. Das über Stunden wirkende Sonnenlicht schrieb sich dauerhaft in ein unscheinbares Motiv einer »Heliographie« (griechisch »von der Sonne gezeichnet«).
Jahre später entwickelte Louis Daguerre die »Daguerreotypie« (1839), ein Direkt-Positiv-Verfahren, das auf silberbeschichteten Kupferplatten Bilder von ungekannter Detailtiefe lieferte. Mit William Henry Fox Talbots »Kalotypie« (1840), einem mit Silbernitrat und organischen Säuren behandelten Papier, war das erste Negativ-Verfahren erfunden, mit dem das Bild zu vervielfältigen war. Die folgenden Jahrzehnte waren von raschem Wandel geprägt: Neue photographische Verfahren entstanden wie das Kollodium-Nassplatten-Verfahren (nitrierte Cellulose) auf Glas, das noch feucht belichtet werden musste, oder der Albuminabzug auf mit Hühnereiweiß und Natrium beschichtetem Papier. Die Photographen reisten mit aufwendigen Entwicklungs-Laboratorien.
Der Zauber der frühen Lichtbilder verbindet sich mit dem Geist der Entdeckung. Europäische Photographen reisten in die Welt, erkundeten Landschaften, Architekturartefakte und Naturschauspiele und machten diese sichtbar. Zugleich experimentierten sie mit den technischen Möglichkeiten des neuen Mediums – mit Belichtungszeiten, Materialien und Verfahren, die noch nicht festgeschrieben waren.
Die warmen Braun-, Sepia- und Goldtöne vieler Abzüge sind nicht zufällig, sie sind kein bloßes Ergebnis chemischer Reaktionen. Vielmehr entfalten sie eine eigene künstlerische Qualität, die sich in den vielen unterschiedlichen Nuancierungen zeigt. Aus Entdeckungen und Experimenten entwickelt sich ein ästhetisches Medium, das erst Jahrzehnte später als Form der Kunst akzeptiert wird.
Die Bilder in unserer Ausstellung führen uns nach Europa, nach Algerien, Ägypten, Nubien, in das Eis des Nordens – Orte, die im 19. Jahrhundert vermessen, bereist und imaginiert werden. Die Photographen William Henry Fox Talbot, Hippolyte Fizeau, Gustave Le Gray, Francis Frith und Eugène Piot zeigen uns in ihren Arbeiten eine heute verlorene Welt. Le Grays Seestücke entstanden an der Küste der Normandie und am Mittelmeer in der Nähe von Sète. Sie zeigen Wolkenformationen über einer unbewegten oder stürmischen See, die sich dem Betrachter endlos öffnet. Durch die Verbindung mehrerer Negative macht Le Gray Bewegungen nicht nur sichtbar, sondern erzeugt sie. Der junge John Beasley Greene hingegen photographierte Landschaften und Monumente Algeriens, Ägyptens und Nubiens. Die Leere hat bei Greene einen eigenen Raum, den Raum weiter monotoner Himmel und menschenleerer Landschaften. Greenes Blick verweilt auf Monumenten und Ruinen, Relikte einer vergangenen Zivilisation. Alle seine Motive scheinen wie aus weiter Ferne schwebend. Raum und Zeit verlieren ihre feste Ordnung, Horizonte gleiten ins Unwirkliche.
Gustave Le Gray, Grande Vague – Cette [Sète], 1856 -1858, Courtesy Bastian Gallery